Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Akademiebibliothek Biografie von Gottfried Wilhelm Leibniz

Autographen

Goethe-Autographen an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften


1.  Brief vom 5. Juli 1798
2.  Brief vom 19. April 1800
3.  Brief vom 27. September 1800
4.  Brief vom 1. Februar 1801
5.  Brief vom 20. Oktober 1801
6.  Brief vom 18. September 1802
7.  Brief vom 29. November 1803
8.  Brief vom 28. April 1814
9.  Brief vom 16. Januar 1815
10. Gedicht "Christel"
11. Quittung vom 18. November 1829

1. Brief von Johann Wolfgang von Goethe vom 5. Juli 1798 an Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling mit der Mitteilung der Berufung von Schelling zum Extraordinarius an die Universität Jena

(Archiv der BBAW: NL F. W. Schelling, Nr. 299)

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Wohlgeborner
Insonders hochgeehrtester Herr Professor!
Ew. Wohlgeboren erhalten hierbey das gnädigste Rescript abschriftlich, das Serenissimus Ihrentwegen an die Akademie zu Jena erlassen haben.
Indem ich dadurch die Wünsche Ihrer Jenaischen Freunde und die Meinigen erfüllt sehe, so bleibt mir nichts übrig als zu hoffen, daß Sie, in Ihrem neuen Verhältniß, diejenigen Vortheile für sich selbst finden möchten, die wir für uns von Ihrer Mitwirkung zu erwarten haben.
Der ich mich zu geneigtem Andenken empfehle und recht wohl zu leben wünsche.

Ew. Wohlgeb.
ergebenster Diener
J. W. v. Goethe
Weimar am 5. Juli 1798

Aus: F. W. J. Schelling. Briefe und Dokumente.
Bd. II: 1775 bis 1803, Zusatzband.
Hrsg. von Horst Fuhrmans.
Bonn: Bouvier & Co 1973, S. 148-149.

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2. Brief von Johann Wolfgang von Goethe vom 19. April 1800 an Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling über dessen Besuch und das Werk "System des transcendentalen Idealismus"

(Archiv der BBAW: NL F. W. Schelling, Nr. 299)

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Ew. Wohlgeboren
kurzer Besuch ließ mir nicht Raum genug, theils dasjenige, was ich gern mitgetheilt hätte, mitzutheilen, theils durch Fragen Ihre Ansicht verschiedener Dinge zu erfahren.
Um desto mehr danke ich Ihnen, daß Sie, in dem zurückgelassenen Werke, mir die Gelegenheit verschaffen, mich oft und viel mit Ihnen zu unterhalten.
Ob ich mir blos schmeichle, so weit ich gelesen, den Sinn desselben zu fassen, oder ob die Nähe, die ich zu dem Werke fühle, zu einer wahren Theilnahme, zu einer thätigen Reproduction desselben sich steigern wird, muß die Zeit lehren; wenigstens glaube ich in dieser Vorstellungsart sehr viel Vortheile für denjenigen zu entdecken, dessen Neigungen es ist, die Kunst auszuüben und die Natur zu betrachten.
Der ich recht wohl zu leben wünsche und mich Ihrem Andenken auch in weiterer Entfernung bestens empfehle.
Charpentier liegt hier bei, den ich mir nebst anderen Werken gelegentlich zurückerbitte.
Weimar, am 19. April 1800. Goethe.

Aus: F. W. J. Schelling. Briefe und Dokumente.
Bd. II: 1775 bis 1803, Zusatzband.
Hrsg. von Horst Fuhrmans.
Bonn: Bouvier & Co 1973, S. 220-221.

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3. Brief von Johann Wolfgang von Goethe vom 27. September 1800 an Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling zu dessen "Zeitschrift über speculative Physik" und Werk "System des transcendentalen Idealismus"

(Archiv der BBAW: NL F. W. Schelling, Nr. 299)

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Das zweite Stück Ihrer Zeitschrift habe ich erhalten und darin viel belehrendes, belebendes und erfreuliches gefunden; hätten Sie mit dem allerliebsten poetischen Fragment das Heft geschlossen, so würden Sie uns mit einem ganz reinen Genuß entlassen haben.
Die allgemeinen Betrachtungen Seite 22 u. f. sind mir recht aus und zu meiner Überzeugung geschrieben, und ich kann hoffen, daß ich, auch im besondern, Sie nach und nach völlig verstehen werde.
Seitdem ich mich von der hergebrachten Art der Naturforschung losreißen und, wie eine Monade, auf mich selbst zurückgewiesen, in den geistigen Regionen der Wissenschaft umherschweben mußte, habe ich selten hier- oder dorthin ein Zug verspürt; zu Ihrer Lehre ist er entschieden. Ich wünsche eine völlige Vereinigung, die ich durch das Studium Ihrer Schriften, noch lieber durch Ihren persönlichen Umgang, sowie durch Ausbildung meiner Eigenheiten ins allgemeine, früher oder später, zu bewirken hoffe und die um desto reiner werden muß, je langsamer ich zu verfahren, je getreuer ich meiner eigenen Denkart dabei zu bleiben genöthigt bin.

Die Einsicht in das System des transcendentalen Idealismus hat Herr Doctor Niethammer die Gefälligkeit mir zu erleichtern, und so werde ich mir die Deduction des dynamischen Processes immer mehr aneignen können. Alsdann erst wird es Zeit sein, im Einzelnen meine Beistimmung oder meine Einwendungen vorzulegen. Fahren Sie fort wohl zu leben und thätig zu sein, und wenn Sie nicht sobald wieder zu uns zurückkehren sollten, so lassen Sie mich von Zeit zu Zeit von Sich und dem, was Sie zunächst umgiebt, etwas hören.

Grüßen Sie Herrn Schlegel und wenn das kleine Bild von Meister Hans um ein leidliches zu acquiriren ist, so wird es mir ein Vergnügen machen es zu besitzen.

Jena, den 27. Sept. 1800. Goethe.

Aus: F. W. J. Schelling. Briefe und Dokumente. Bd. II: 1775 bis 1803, Zusatzband. Hrsg. von Horst Fuhrmans. Bonn: Bouvier & Co 1973, S. 259-260.

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4. Brief von Johann Wolfgang von Goethe an Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling vom 1. Februar 1801 mit einem Dank für Schellings Anteilnahme an seiner Genesung, zu Schellings Anhang zum Eschenmayerischen Aufsatz und zur Übersetzung der Farbenlehre von Theophrast durch Goethe

(Archiv der BBAW: NL F. W. Schelling, Nr. 299)

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Ich danke Ihnen herzlich für den Antheil an meiner Genesung, möge es sich doch recht bald schicken, daß ich das Vergnügen habe, Sie auf einige Tage wieder zu sehen; denn leider war, als wir Abschied nahmen, die Krankheit schon mit ziemlicher Gewalt eingetreten und ich verlor bald darauf das Bewußtsein meines Zustandes. Auch fühlte ich schon sehr während Ihres Hierseins, daß mir der völlige Gebrauch meiner Geisteskräfte abgehe.

Nach den Versuchen, die ich in diesen Tagen gemacht habe, scheint sich so ziemlich alles in seine alte Ordnung hergestellt zu haben. Doch wird sich das erst in der Folge zeigen. Meine körperlichen Übel nehmen täglich ab und meine Kräfte zu, und so wollen wir sehen, wie weit wir mit der Pflege Geistes und Leibes nach und nach gelangen.

Schreiben Sie mir ja von Zeit zu Zeit und nur gerade von dem, was Sie eben interessirt. Es werden auch dadurch in mir immer mehr Berührungspuncte erzeugt.

Ihren Anhang zu dem Eschenmayerischen Aufsatz habe ich mit vielem Vergnügen gelesen. Wenn ich ein Gleichnis brauchen darf, so gieng es mir wie einem, der in der Dämmerung auf bekannte Wege kommt und sich ganz gut zu rechte findet, ohne gerade jeden Gegenstand, an dem er vorbeigeht, deutlich zu erkennen.
Auch hat mich die Fichtische Ankündigung in der allgemeinen Zeitung beschäftigt und unterhalten.
Um wenigstens etwas zu thun, so habe ich in diesen Tagen angefangen, das Büchlein Theophrasts von den Farben zu übersetzen. Es ist eine wunderliche und schwierige Aufgabe, welche aber aufgelöst zu haben nicht ohne Nutzen sein wird.

Leben Sie recht wohl und sagen Sie mir bald wieder ein Wort.
Weimar am 1. Februar 1801 Goethe.

Aus: F. W. J. Schelling. Briefe und Dokumente.
Bd. II: 1775 bis 1803, Zusatzband.
Hrsg. von Horst Fuhrmans.
Bonn: Bouvier & Co 1973, S. 307-308.

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5. Brief von Johann Wolfgang von Goethe an Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling vom 20. Oktober 1801 mit der Bitte um Durchsicht des beigefügten Manuskriptes der Übersetzung von Goethe zur Farbenlehre von Theophrast

(Archiv der BBAW: NL F. W. Schelling, Nr. 299)

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Bei dem Manuscript, welches ich hier übersende, ist zu bemerken, daß sich die Zahlen auf die Abtheilungen beziehen, welche Simon Portius bei Gelegenheit seiner Übersetzung gemacht hat; während der Arbeit dienten sie mir zu bequemerem Auffinden, künftig müssen sie wegfallen, denn sie irren an Statt zu fördern.

Haben Sie die Güte, wo Sie irgend anstoßen, ein Zeichen zu machen. Noch sind mehrere Stellen einer Verbesserung fähig. Wenn Herr Doctor Hegel mich morgen früh um 11 Uhr besuchen will, so soll es mir angenehm sein.

Jena am 20. October 1801. Goethe.

Aus:F. W. J. Schelling. Briefe und Dokumente.
Bd. II: 1775 bis 1803, Zusatzband.
Hrsg. von Horst Fuhrmans.
Bonn: Bouvier & Co 1973, S. 357.

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6. Brief von Johann Wolfgang von Goethe vom 18. September 1802 an Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling mit einer kurzen Kritik zu den übersandten Versen und einer Einladung zu einem Gespräch über die Scheidung des Ehepaares Schlegel

(Archiv der BBAW: NL F. W. Schelling, Nr. 299)

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Für die überschickten Hefte der Menechmen danke recht sehr. Ich wünsche, daß die Übersetzung im Ganzen sich zu dem Theater eignen möge. Auf den wenigen Blättern vorn herein, die ich durchlesen konnte, scheint mir die Sprache innerhalb des Verses nicht gewandt und klar genug; doch vielleicht giebt sich das in der Folge und es läßt sich der Anfang alsdann noch einmal durcharbeiten.

Wegen der bewußten Angelegenheit wünsche ich Sie freilich zu sprechen. Möchten Sie vielleicht nächsten Mittwoch herüberkommen? da Sie dann, auf alle Fälle, an meinen kleinen Familientisch geladen sind; wenn ich auch selbst, wie es mir widerfahren kann, etwa nicht zu Hause speisen sollte.

Der ich in Hoffnung, Sie bald zu sehen, recht wohl zu leben wünsche.

Weimar, am 18. September 1802.
Goethe.

Aus: F. W. J. Schelling. Briefe und Dokumente.
Bd. II: 1775 bis 1803, Zusatzband.
Hrsg. von Horst Fuhrmans.
Bonn: Bouvier & Co 1973, S. 438.

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7. Brief von Johann Wolfgang von Goethe vom 29. November 1803 an Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling zu dem Weggang von Schelling aus Jena und mit der Bitte um Mitarbeit bei der neuen Jenaischen Allgemeinen Literaturzeitung, sowie um Protektion des Würzburger Malers Martin Wagner

(Archiv der BBAW: NL F. W. Schelling, Nr. 299)


Gegenwärtiger Brief und seine Beilage, die ich wohl lieber niemals abgeschickt hätte, wird Sie nun wahrscheinlich in Würzburg treffen, wo ich Ihnen Glück und Gedeihen wünsche.

Wir flicken unsere alten akademischen Zustände und, nach Eigenschaft lebendiger Wesen, so ist auch hier jene Hülfe die beste, die sich, bei geringer Anregung, die Natur selbst giebt.

Sie finden sich in einem neuen Zustand, der sich auf eine sonderbare Weise bildet; möge viel Gutes durch und für Sie entspringen.

Das jenaische kritische Institut gewinnt viele active Theilnehmer. Eine solche Gesellschaft wird nach und nach einer unsichtbaren Akademie ähnlich, die aus einer Menge geheimer Lehrstühle besteht, von wo herab sich so heterogene Naturen aussprechen, als immer auf einer sichtbaren Akademie geschehen mag.

Daher könnte ich, bei allem guten Fortgang, der Sache keinen Geschmack abgewinnen, wenn man sich nicht entschlossen hätte eine Einleitung zu treffen, welche Sie aus einer abschriftlichen Anfuge kennen lernen.

Dadurch wäre ein für allemal ausgesprochen, was sich in der Ausführung ohnehin ergeben würde: daß hier von keinem anmaßlichen Ganzen, sondern von einem Nebeneinandersein gleicher, ähnlicher, ungleicher und unähnlicher Ansichten und Gesinnungen die Rede sein könne.

Möchten Sie denn wohl auch dieser Anstalt, mit oder ohne Chiffer, die Recension irgend eines bedeutenden Werkes zuwenden? Vielleicht findet sich eins, das Sie günstig darstellen, dessen Verdienste Sie vor den Augen des Publikums entwickeln möchten. Was wir an andern billigen, versetzt uns selbst in eine productive Stimmung und diese wirkt immer wohlthätig.

Leben Sie gesund und froh und gedenken mein im schönen Franken. Mich kann Ihre Imagination noch immer in den einsamen Zimmern des jenaischen alten Schlosses finden, wo mich die Erinnerung der Stunden, die ich daselbst mit Ihnen zugebracht, oft zu beleben kommt.

Schließlich melde ein Ihnen gewiß nicht unangenehmes Ereigniß: Wir haben einem würzburger Künstler Martin Wagner, den Sie der Michaeliskirche gegenüber erfragen können, unsern diesjährigen ganzen Preis von 60 Ducaten zuerkannt.

Können Sie etwas von Ihrer Seite thun ihn hervorzuziehen, weil er wenige Mittel zu haben scheint; so werden Sie sich Verdienste um die Kunst und Freude zugleich machen. Es ist, recht genau besehen, unglaublich, was er in seiner Lage geleistet hat, ob gleich noch manches zu erinnern ist.

Können Sie ihm den Unterschied zwischen allegorischer und symbolischer Behandlung begreiflich machen; so sind Sie sein Wohlthäter, weil sich um diese Axe so viel dreht.

Glauben Sie, daß es Herr Graf v. Thürheim freundlich aufnimmt, wenn ich ihm diesen jungen Mann empfehle; so werde ich es mit Vergnügen thun. Besonders wenden Sie allen Ihren Einfluß an, daß er gerade nach Rom und nicht zuerst nach Paris geht; denn diese falsche Instradation verwindet das größte Talent nicht.

Ein herzliches Lebewohl.
Jena, den 29. Nov. 1803. Goethe.

Aus: F. W. J. Schelling. Briefe und Dokumente.
Bd. III: 1803 bis 1809, Zusatzband.
Hrsg. von Horst Fuhrmans.
Bonn: Bouvier & Co 1975, S. 30-32.

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8. Brief von Johann Wolfgang von Goethe vom 28. April 1814 an Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling mit der Bitte um Protektion eines jungen Künstlers und dem Bedauern über das lange Nichtzusammentreffen mit Schelling 

(Archiv der BBAW: NL F. W. Schelling, Nr. 299)

Der werthe und gewiß auch Ihnen, noch von Alters her, höchst schätzbare Freund, Hofrath Meyer, hat mir das Verlangen, wieder in Ihrer Nähe zu sein, lebhaft rege gemacht, welches ich oft im Stillen empfinde, da ich nach so langen Jahren wohl einmal Ihres aufmunternden und auferbauenden Gesprächs theilhaft werden, die herrlichen Kunstschätze mit Ihnen genießen, vor Allem aber mich Ihres häuslichen Glücks erfreuen möchte. Indessen sucht meine Einbildungskraft eine so theuere und geliebte Freundin an Ihrer Seite. Ich lasse mir gern erzählen, daß es Ihnen wohlgeht, und schon hat Freund Meyer mir die individuelle Lage Ihres Glücks schildernd wiederholen müssen.

Bei seinen so willkommenen Erzählungen empfand ich sogleich die Neigung, mich auch wieder einmal schriftlich mit Ihnen zu unterhalten, und nun giebt mir die Abreise eines jungen Künstlers, Namens Müller, erwünschte Gelegenheit, diesem Verlangen sogleich Genüge zu leisten. Mögen Sie diesem jungen Manne auf seinem Kunstgange einige Aufmerksamkeit schenken, so werden Sie mich verbinden. Es fehlt ihm nicht an angebornem Talent. Sein zartes und einigermaßen melancholisches Gemüth bedarf Theilnahme und Aufmunterung, so wie ihm die strengen Kunstforderungen seiner neuen Lehrer gewiß förderlich sein werden.

Und nun leben Sie recht wohl, gedenken Sie meiner in Ihrem Familien- und Freundeskreise, bleiben Sie überzeugt, daß ich allem, was Sie öffentlich zu äußern für gut finden, die größte Aufmerksamkeit schenke, um mich einigermaßen für den Verlust zu entschädigen, den ich dadurch erleide, daß ich mich schon seit so langer Zeit nicht mehr so schnell wie vormals durch Ihre geistreiche und gründliche Unterhaltung über die Angelegenheiten zurechte finden kann, die mich immerfort auf meine eigene Weise beschäftigen.

Mit den aufrichtigsten Wünschen mich empfehlend
Weimar, den 28. April 1814.
Goethe.

Aus: Aus Schellings Leben. In Briefen. Zweiter Bd.: 1803 bis 1820. Hrsg. von G. L. Plitt. Leipzig: Hirzel 1870, S. 341-342.

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9. Brief von Johann Wolfgang von Goethe vom 16. Januar 1815 an Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling u. a. mit einem Dank für die Förderung des Künstlers Müller, über seine Erwartung zu dem angekündigten Werk von Schelling, über die zweite Ehe von Schelling und die Neuherausgabe der Werke von Goethe

(Archiv der BBAW: NL F. W. Schelling, Nr. 299)

Haben Sie tausend Dank, werthester Herr und Freund, für das schöne und ehrenvolle Blatt, welches Sie mir übersendet, und sprechen gefällig gegen den Herrn Director und die ansehnliche Akademie mein dankbares Anerkennen mit freundlichen Worten aus. Durch die gute Aufnahme des jungen Müller wird unser Kunstkreis Ihnen verschuldet, es soll mich sehr freuen in der Folge zu sehen, wie jene Anstalten auch bei einem der Unsrigen Früchte erzeugen.

Mit Sehnsucht erwarte ich das mir angekündigte Werk. Ich bin geneigter als jemals die Regionen zu besuchen, worin Sie als in Ihrer Heimath wohnen. Je älter man wird, desto mehr verallgemeint sich Alles, und wenn die Welt nicht ganz und gar verschwinden soll, so muß man sich zu denen halten, welche sie aufzubauen im Stande sind.

Die Wahl einer so lieben Gattin gab mir die Versicherung Ihres häuslichen Glücks, und eine unmittelbare Nachricht davon ist mir höchst erfreulich. Erhalten Sie mir beiderseits einen freundschaftlichen Antheil, bis ich hoffentlich einmal so glücklich bin, Sie unter Ihren Kunstschätzen zu besuchen.

Da man von trefflichen Freunden entfernt ihnen oft länger als billig stumm bleibt, so sind die Stunden, die ich auf meine Arbeit wende, mir um desto angenehmer, weil ich hoffen kann, mich dadurch so manchem verehrten Geiste unvermuthet zu nähern und ihm für das längst Empfangene auch eine kleine Gabe hinzureichen.

Eine frische Ausgabe meiner Werke, die ich so eben vorbereite, wird manches Neue bringen. Möge sie Ihnen nicht misfällig sein, vielmehr zur Erheitrung dienen. Leben Sie recht wohl und gedenken mein zu guter Stunde.

Weimar, den 16. Jänner 1815. Treu verbunden
Goethe.

Erlauben Sie; daß ich als Nachschrift ein Paar kleine Angelegenheiten empfehle. Die erste betrifft unsern hiesigen geschickten Bildhauer W e i s e r, der eine Marmorbüste, Lucas Cranach vorstellend, für die Sammlung Ihrer Königl. Hoheit des Kronprinzen gearbeitet und solche vor einiger Zeit nach München abgesendet hat. Er sieht nun der Zahlung mit einiger Verlegenheit entgegen, da er, wie es Künstlern oft zu gehen pflegt, sich nicht eben in den reichlichsten Umständen befindet. So viel ich weiß, ist diese Zahlung nur durch die Abwesenheit Ihrer Königl. Hoheit verspätet worden, vielleicht könnten Sie, verehrter Freund, etwas zu ihrer Beschleunigung wirken; so würden Sie einen braven Mann, für den ich mich zu interessiren alle Ursache habe, sehr verbinden.

Das Zweite betrifft eine freilich sehr veraltete Sache: im Jahre 1803 erhielt ein bayrischer Künstler, Herr Hofmann, bei uns den Preis. Die Vorstellung war Ulyss und der Cyclop, seine Zeichnung ist dem Januar von 1804 der Allgemeinen Jenaischen Literatur-Zeitung copeilich vorgesetzt. Er machte mir darauf ein Geschenk des Originals, wünschte aber, daß solches in München zu seiner Empfehlung gesehen würde. Ich sendete sie auch dorthin ab, wenn ich nicht irre, an Herrn von Mannlich. Die erfolgten stürmischen Zeiten machten dieses Blatt, so wie manches andere, vergessen, und erst jetzt, da ich meine Zeichnungen der lebenden Künstler in Ordnung bringe, werde ich wieder daran erinnert.

Wollten Sie wohl die Gefälligkeit haben, Sich darnach zu erkundigen. Vielleicht ist sie aufzufinden, denn es war damals der Wunsch, daß sie der Akademie vorgelegt würde. Erhielt ich sie dann, durch Ihre Gefälligkeit und Sorgfalt, in gutem Zustande zurück, so würde dieses Document früherer und nicht ganz undankbarer Bemühung mir doppeltes Vergnügen machen.
G.

Aus: Aus Schellings Leben. In Briefen. Zweiter Bd.: 1803 bis 1820. Hrsg. von G. L. Plitt. Leipzig: Hirzel 1870, S. 348-350.

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10. Gedicht "Christel" von Johann Wolfgang von Goethe
[verfaßt vor 1774]

(Archiv der BBAW: Slg. Weinhold, Nr. 428)

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Christel
Hab oft einen dumpfen düstern Sinn,
Ein gar so schweres Blut!
Wenn ich bei meiner Christel bin,
Ist alles wieder gut.
Ich seh sie dort, ich seh sie hier
Und weiß nicht auf der Welt,
Und wie und wo und wann sie mir,
Warum sie mir gefällt.
Das schwarze Schelmenaug dadrein,
Die schwarze Braue drauf,
Seh ich ein einzigmal hinein,
Die Seele geht mir auf.
Ist eine, die so lieben Mund,
Liebrunde Wänglein hat?
Ach, und es ist noch etwas rund,
Da sieht kein Aug sich satt!
Und wenn ich sie denn fassen darf
Im luftgen deutschen Tanz,
Das geht herum, das geht so scharf,
Da fühl ich mich so ganz!
Und wenns ihr taumlig wird und warm,
Da wieg ich sie sogleich
An meiner Brust, in meinem Arm;
‘s ist mir ein Königreich!
Und wenn sie liebend nach mir blickt
Und alles rund vergißt,
Und dann an meine Brust gedrückt
Und weidlich eins geküßt,
Das läuft mir durch das Rückenmark
Bis in die große Zeh!
Ich bin so schwach, ich bin so stark,
Mir ist so wohl, so weh!
Da möchte ich mehr und immer mehr,
Der Tag wird mir nicht lang;
Wenn ich die Nacht auch bei ihr wär,
Davor wär mir nicht bang.
Ich denk, ich halte sie einmal
Und büße meine Lust;
Und endigt sich nicht meine Qual,
Sterb ich an ihrer Brust!

Aus: J. W. Goethe. Gedichte.
Mit Erläuterungen von
Emil Staiger. Bd. 1.
Zürich: Manesse Verlag 1949,
S. 20-21

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11. Quittung von Johann Wolfgang von Goethe vom 18. November 1829 für eine Ausleihe von Pflanzenabbildungen aus dem botanischen Museum für wissenschaftliche Zwecke

(Archiv der BBAW: Slg. Weinhold, Nr. 428)

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