Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Akademiebibliothek Biografie von Gottfried Wilhelm Leibniz

Korrespondenten

Hier erhalten Sie Detailinformationen zu den jeweiligen Korrespondenten. Die Natur der Korrespondenz wird nach folgendem Schema beschrieben:  

- Name (und Anzahl der erhaltenen Briefe)
- Lebensdaten
- Status und Zeit der Mitgliedschaft in der Akademie
- (akademische) Fachrichtung
- weiterführende biographische Informationen
- Anmerkungen über die Natur der Korrespondenz


1.   Bitaubé, Paul Jeremias (1 Brief G.s u. 1 Brief an G.)

2.   Buch, Christian Leopold Frh. v. (1 Brief G.s)

3.   Diez, Heinrich Friedrich v. (4 Briefe G.s)

4.   Ehrenberg, Christian Gottfried (1 Brief G.s)

5.   Hagen, Friedrich Heinrich v. d. (4 Briefe G.s u. 3 Briefe an G.)

6.   Hirt, Aloys Ludwig (8 Briefe G.s u. 13 Briefe an G.)

7.   Hufeland, Christoph Wilhelm (2 Briefe G.s u. 3 Briefe an G.)

8.   Humboldt, Alexander v. (8 Briefe G.s u. 15 Briefe an G.)

9.   Humboldt, Wilhelm v. (35 Briefe G.s u. 83 Briefe an G.)

10. Karsten, Dietrich Ludwig Gustav (1 Briefe G.s u. 1 Brief an G.)

11. Lichtenstein, Martin Heinrich Carl (1 Briefe G.s u. 1 Brief an G.)

12. Müller, Johannes v. (8 Briefe G.s u. 8 Briefe an G.)

13. Niebuhr, Barthold Georg (4 Briefe Goethes + 2 Konzepte eines nicht abgesandten Briefes)

14. Parthey, Gustav Friedrich Constantin (1 Brief G.s)

15. Radowitz, Joseph Maria Ernst Christian Wilhelm v. (1 Brief G.s)

16. Raumer, Friedrich v. (1 Konzept eines nicht abgegangenen Briefes von G.)

17. Rühle v. Lilienstern, Johann Jacob Otto August (2 Briefe G.s u. 2 Briefe an G.)

18. Savigny, Friedrich Carl v. (1 Brief G.s)

19. Schelling, Friedrich Wilhelm Joseph (18 + 1 Briefe G.s und 39 Briefe an G.)

20. Schleiermacher, Friedrich (1 Brief G.s)

21. Sprengel, Kurt Polycarp Joachim (4 Briefe G.s u. 2 Briefe an G.)

22. Stein, Heinrich Friedrich Carl Reichsfrh. vom und zum (4 Briefe G.s)

23. Stein zum Altenstein, Carl Frh. v. (5 Briefe G.s)

24. Süvern, Johann Wilhelm (2 Briefe G.s u. 1 Brief an G.)

25. Uhden, Johann Daniel Wilhelm Otto (1 Brief G.s)

26. Walter, Friedrich August (1 Brief G.s)

1. Bitaubé, Paul Jérémie [bzw. Jeremias] (1 Brief G.s u. 1 Brief an G.)

Aus hugenott. Familie, geb. am 24.11.1732 in Königsberg, gest. am 22.11.1808

OM 29.5.1766 - 1792 u. ab 4.6.1795

Übersetzer in das und aus dem Französischen

Bitaubé wurde auf Befehl Friedrichs II. Mitglied der Akademie. Da er sich danach ständig in Paris aufhielt, wurde er 1792 aus der Akademie ausgeschlossen, ab dem 4.6.1795 durch eine Order Friedrich Wilhelms II. aber wieder als Mitglied geführt.

Der Briefwechsel betrifft Bitaubés französische Übersetzung von Hermann und Dorothea. Goethe äußert sich dabei über die soziale und kulturelle Lage Frankreichs nach der Revolution.

2. Buch, Christian Leopold Frh. v. (1 Brief G.s)

Buch.JPG


Abbildung: Bildarchiv der BBAW

Geb. 25.4.1774 in Schloß Stolpe/Uckermark, gest. 4.3.1853 in Berlin

aoM 13.3.1806 (Bestät. 27.3.1806)

OM 4.8.1808 (Bestät. 15.8.1808)

Geologie, Paläontologie

Goethe dankt für Übersendung naturwissenschaftlicher Literatur.

nach oben

3. Diez, Heinrich Friedrich v. (4 Briefe G.s)

Geb. 2.9.1751 in Bernburg, gest. 7.4.1817 in Berlin

EM 24.3.1814 (Bestät. 14.5.1814)

Orientalistik

Die Briefe behandeln v.a. "das weite Feld des orientalischen Studiums" (WA IV, Bd. 26, S. 152 f.), darunter besonders sprach- und literaturwissenschaftliche Fragen, in denen Goethe Diezens Rat suchte.

nach oben

4. Ehrenberg, Christian Gottfried (1 Brief G.s)

Ehrenberg.JPG

Abbildung: Archiv der BBAW

Geb. 19.4.1795 in Delitzsch bei Leipzig, gest. 27.6.1876 in Berlin

KM 13.4.1826

OM 31.5.1827 (Bestät. 18.6.1827)

Zoologie, Botanik, Paläontologie

Goethe dankt für Übersendung naturwissenschaftlicher Schriften.

nach oben

5. Hagen, Friedrich Heinrich v. d. (4 Briefe G.s u. 3 Briefe an G.)

Hagen.JPG

Abbildung: Archiv der BBAW

Geb. 19.2.1780 in Schmiedeberg/Schles., gest. 11.6.1856 in Berlin

OM 11.2.1841 (Bestät. 9.3.1841) - also nach der Korrespondenz mit Goethe!

Germanistik

Hagen wurde 1801 Referendar in Berlin, 1811 Professor in Breslau und 1824 in Berlin.

Die Korrespondenz bezieht sich v.a. auf das von Hagen edierte Nibelungenlied und allgemein auf die ältere deutsche Literatur (Minnesang etc.). Hagen hatte Goethe zunächst seine zusammen mit Johann Gustav Gottlieb Büsching herausgegebene Sammlung deutscher Volkslieder (Berlin 1807) überreicht und danach mit einem ausführlichen Begleitbrief seine Edition des Nibelungenlieds geschickt, wodurch er Goethe zu einer Bearbeitung "in einer Reihe von Tragödien" anregen wollte
(RA Bd. 5, S. 264). Tatsächlich beschäftigte sich Goethe in der Folge mit dem altdeutschen Text (vgl. seine Nibelungenlied-Studien). Auf Hagens Bitte vermittelte er auch eine 'Fernleihe' des Jenaischen Codex der Minnesinger (Jenaer Liederhandschrift) nach Berlin und erhielt im Gegenzug mehrere Publikationen des Literaturhistorikers als Geschenk.

nach oben

6. Hirt, Aloys Ludwig (8 Briefe G.s u. 13 Briefe an G.)

Hirt.JPG

Abbildung: Archiv der BBAW

Geb. 27.6.1759 in Behla bei Donaueschingen, gest. 29.6.1837 in Berlin

OM 3.11.1796

Kunstgeschichte, Archäologie

Hirt hielt sich von 1782 bis 1796 in Italien (v.a. in Rom) auf, erwarb sich dort große archäologische Kenntnisse und zählte während der Italienischen Reise Goethes (1786-1788) zu dessen engerem römischen Bekanntenkreis (vgl. Goethes Erwähnungen in Briefen an Wieland und Herder sowie in der Italienischen Reise*). Er wurde zu dieser Zeit und danach von Goethe aktiv gefördert. 1796 zog Hirt nach Berlin, wo er ohne Wahl aufgrund eines Gutachtens über die preußischen Kunstschätze von Friedrich Wilhelm II. zum Ordentlichen Mitglied der Königlichen Preußischen Akademie der Wissenschaften ernannt wurde. 1806 betrieb er erfolgreich Goethes Ernennung zum Auswärtigen Mitglied der Akademie der Wissenschaften. 1810 erhielt er eine Professur an der neugegründeten Berliner Universität. Hirt war auch Mitbegründer der Berliner Museen.

Der Briefwechsel mit Goethe hat privaten und gelehrten Charakter, wobei besonders künstlerische, kunst- und architekturhistorische sowie archäologische Themen erörtert wurden. Hirts kunsttheoretische Thesen bildeten den Anlaß zu Goethes Aufsatz Laokoon (1798) sowie den Ausgangs- bzw. Bezugspunkt des 5. und 6. Briefes der Goetheschen Künstlernovelle Der Sammler und die Seinigen (1799).

(*) Italienische Reise, Bericht November 1787:

"Bei einer so feierlichen Gelegenheit ist es der Erinnerung gemäß, auch Herrn Hirts zu gedenken, der unserem Verein auf mehr als eine Weise nützlich und förderlich gewesen. Im Fürstenbergischen 1759 geboren, fand er nach zurückgelegten Studien der alten Schriftsteller einen unwiderstehlichen Trieb, sich nach Rom zu verfügen. Er war einige Jahre früher daselbst angekommen als ich und hatte sich auf die ernstlichste Weise mit alten und neuern Bau- und Bildwerken jeder Art bekannt gemacht und sich zu einem unterrichtenden Führer von wißbegierigen Fremden geeignet. Auch mir erwies er diese Gefälligkeit mit aufopfernder Teilnahme.

Sein Hauptstudium war die Baukunst, ohne daß er den klassischen Lokalitäten und so viel andern Merkwürdigkeiten seine Beachtung entzogen hätte. Seine theoretischen Ansichten über Kunst gaben in dem streit- und parteisüchtigen Rom vielfaltige Gelegenheit zu lebhaften Diskussionen. Aus der Verschiedenheit der Ansichten kommen besonders dort, wo immer und überall von Kunst die Rede ist, gar mannigfaltig Hin- und Widerreden, wodurch der Geist in der Nähe so bedeutender
Gegenstände lebhaftest angeregt und gefördert wird. Unsres Hirts Maxime ruhte auf Ableitungen griechischer und römischer Architektur von der ältesten notwendigsten Holzkonstruktion, worauf er denn Lob und Tadel der neuern Ausführung gründete und sich dabei der Geschichte und Beispiele geschickt zu bedienen wußte. Andere behaupteten dagegen, daß in der Baukunst wie in jeder andern geschmackvolle Fiktionen stattfänden, auf welche der Baukünstler niemals Verzicht tun dürfe, indem
er sich in den mannigfaltigsten Fällen, die ihm vorkommen, bald auf diese, bald auf jene Weise zu helfen habe und von der strengen Regel abzuweichen genötigt sei.

In Absicht auf Schönheit geriet er auch oft mit andern Künstlern in Diskrepanz, indem er den Grund derselben ins Charakteristische legte, da ihm denn insofern diejenigen beipflichteten, welche sich überzeugt hielten, daß freilich der Charakter jedem Kunstwerk zum Grunde liegen müsse, die Behandlung aber dem Schönheitssinne und dem Geschmack anempfohlen sei, welche einen jeden Charakter in seiner Angemessenheit sowohl als in seiner Anmut darzustellen haben. Weil aber die Kunst im Tun und nicht im Reden besteht, man aber dennoch immerfort mehr reden als tun wird, so begreift man leicht, daß dergleichen Unterhaltungen damals grenzenlos waren, wie sie es bis in die neusten Zeiten geblieben sind."

Quelle: Goethe: Italienische Reise, HA Bd. 11, S. 441 f.

nach oben

7. Hufeland, Christoph Wilhelm (2 Briefe G.s u. 3 Briefe an G.)

Hufeland.JPG

Abbildung: Archiv der BBAW

Geb. 12.8.1762 in Langensalza, gest. 25.8.1836 in Berlin

OM 23.12.1800

Medizin

Hufeland, der seit 1783 als praktischer Arzt ordinierte, wurde 1787 zum Hofarzt in Weimar und 1793 zum Professor für Medizin an der Universität Jena ernannt. 1801 wechselte er nach Berlin, wo er Leibarzt der königlichen Familie sowie Direktor des Collegiums medicum und 1. Arzt der Charité wurde; 1810 Professor für spezielle Pathologie und Therapie an der neugegründeten Berliner Universität. Nach der Aufhebung des Oberkollegiums medicum war Hufeland leitender Beamter der
Abteilung Gesundheitswesen im preußischen Innenministerium und Leiter der reorganisierten Medizinisch-Chirurgischen Militärakademie, zugleich Staatsrat. Mitglied der Akademie wurde er ohne Wahl auf Weisung des Königs.

Die Korrespondenz ist teilweise persönlich und betrifft teilweise administrative, gesundheitspolitische oder allgemein naturwissenschaftliche Aspekte. Die drei erhaltenen Briefe Hufelands sind jeweils relativ kurze Begleitschreiben zu übersandten medizinischen oder gesundheitspolitischen Schriften verschiedener Autoren.

nach oben

8. Humboldt, Alexander v. (8 Briefe G.s u. 15 Briefe an G.)

Geb. 14.9.1769 in Berlin, gest. 6.5.1859 in Berlin

aoM 25.7.1800 (Bestät. 4.8.1800), OM 19.2.1805

Naturwissenschaften, Geographie

Humboldt wurde 1793 Oberbergmeister der seit (1792 preußischen) Fürstentümer Ansbach und Bayreuth (1794 Bergrat, 1795 Oberbergrat). Von dort besuchte er des öfteren seinen älteren Bruder Wilhelm, der von 1794 bis 1797 mit seiner Frau Caroline in Jena wohnte. Über die Vermittlung des Bruders trat Alexander von Humboldt auch in einen engeren persönlichen und (natur)wissenschaftlichen Kontakt zu Goethe, was für beide Seiten äußerst befruchtend war. Die freundschaftlichen Diskussionen überschritten von Beginn an ein reines Fachinteresse, wobei die
Mineralogie und die Botanik in dieser Phase des wechselseitigen Austausches dennoch das zentrale Bezugsfeld der gemeinsamen Bemühungen blieb. Eine anhaltende intellektuelle Prägung erfuhr Humboldt durch Goethes Konzeption eines "thierischen Typus" sowie durch dessen allgemeine Metamorphosenlehre. Ende 1796 schied Humboldt aus dem Staatsdienst aus und begann mit seinen Vorbereitungen auf die lange geplanten Forschungsreisen. Goethe beteiligte sich 1797 rege an
Humboldts Experimenten im Laboratorium der Naturforschenden Gesellschaft in Jena - ein erster Höhepunkt ihrer Freundschaft, der durch einen Brief Goethes an Johann Friedrich Unger vom 28. März dokumentiert wird (*). Nach Humboldts großer Amerikareise (1799-1804), die seine internationale wissenschaftliche Reputation begründete, wurden die freundschaftlichen und wissenschaftlichen Kontakte wieder aufgenommen. Ende 1805 kehrte Humboldt zurück nach Berlin, wo er sich zwei Jahre zurückgezogen der Arbeit an seinem monumentalen Reisewerk widmete, dessen Niederschrift und Edition (dt. 1807-29, frz. 1810-32) er daraufhin in Paris unter besseren Bedingungen bis 1826 fortsetzte (der erste Teil ist Goethe gewidmet). Nach einem fast zwanzigjährigen Aufenthalt in der französischen Hauptstadt reiste er 1826 über Weimar nach Berlin. Das dabei im Dezember erfolgte Zusammentreffen mit Goethe hat dieser durch seine Äußerungen zu Eckermann (*) sowie in seinen knappen Tagebuchnotizen (11.-13.12.1826) dokumentiert. Einen weiteren Höhepunkt erfuhr die Freundschaft durch Humboldts letzten Besuch im Januar 1831, als er
Goethe über seine russisch-sibirische Reise von 1829 sowie über den im Februar 1830 entbrannten Pariser Akademiestreit berichtete. Nur ein Bruchteil des ausführlichen Briefwechsels zwischen Goethe und dem immerhin zwanzig Jahre
jüngeren Humboldt ist erhalten. Von Beginn an wurden wissenschaftliche Fragen, etwa über Kristallisationsphänomene oder Muskelreize diskutiert. Nach seiner Rückkehr aus Amerika pries Humboldt die von Goethe "vollbrachte Vereinigung von Dichtkunst, Philosophie und Naturkunde" und versuchte davon angeregt in seinen Ideen zu einer Physiognomik der Gewächse (1806) selbst, "physikalische und botanische Gegenstände ästhetisch zu behandeln" (RA Bd. 5, S. 122) - ein Ansinnen, das Goethe durch die anerkennende Rezension der Schrift in der Jenaischen
Allgemeinen Litteraturzeitung zu würdigen wußte. In den Wahlverwandtschaften (1809) ließ Goethe dann die Figur der Ottilie ein Lob Humboldts in ihr Tagebuch eintragen; dagegen entsprach er nicht dem ausdrücklichen Wunsch des Freundes um "ein öffentliches Wort" zu Humboldts Vues des Cordillères, in denen - wie der Verfasser in Anspielung an Goethes analogische Natur- und Kunstanschauung hervorhob - "Natur und Kunst [...] eng verschwistert" seien (RA Bd. 5, S. 463).
Die späteren Briefe sind v.a. freundschaftlicher und gesellschaftlicher Art. Um der
geistesgeschichtlichen Bedeutung der Korrespondenz zu entsprechen, werden hier auch einige ausgewählte Briefe Humboldts wiedergegeben.

(*) Goethe an Johann Friedrich Unger, 28.3.1797: "Die Gegenwart des Herrn Berg Rath v. Humboldt macht mir, ich darf wohl sagen, eine ganz besondere Epoche, indem er alles in Bewegung setzt was mich von so vielen Seiten interessiren kann, ich darf ihn wohl in seiner Art einzig nennen, denn ich habe Niemanden gekannt der mit einer so bestimmt gerichteten Thätigkeit eine solche Vielseitigkeit des Geistes verbände, es ist incalculabel was er noch für die Wissenschaften thun kann."

Quelle: WA IV, Bd. 12, S. 79 f.

(*) Johann Peter Eckermann: Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens,
11.12.1826:

(*) Johann Peter Eckermann: Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens,
11.12.1826:

"Ich fand Goethe in einer sehr heiter aufgeregten Stimmung. 'Alexander von Humboldt ist diesen Morgen einige Stunden bei mir gewesen, sagte er mir sehr belebt entgegen. Was ist das für ein Mann! - Ich kenne ihn so lange und doch bin ich von neuem über ihn in Erstaunen. Man kann sagen, er hat an Kenntnissen und lebendigem Wissen nicht seines Gleichen. Und eine Vielseitigkeit, wie sie mir gleichfalls noch nicht vorgekommen ist! Wohin man rührt, er ist überall zu Hause und überschüttet uns mit geistigen Schätzen. Er gleicht einem Brunnen mit vielen Röhren, wo man überall nur Gefäße unterzuhalten braucht und wo es uns immer erquicklich und unerschöpflich entgegenströmt. Er wird einige Tage hier bleiben, und ich fühle schon, es wird mir sein als hätte ich Jahre verlebt.'"


Quelle: Johann Peter Eckermann: Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens
(MA Bd. 19, S. 168).

nach oben

9. Humboldt, Wilhelm v. (35 Briefe G.s u. 79 Briefe an G.)

Humboldt_W.JPG

Abbildung: Archiv der BBAW

Geb. 22.6.1767 in Potsdam, gest. 8.4.1835 in Tegel bei Berlin

AM 4.8.1808 (Bestät. 15.8.1808), OM 29.3.1810 (Bestät. 7.4.1810), AM 5.3.1812 (Best.
25.6.1812), OM Febr. 1820

Sprachwissenschaft

Wilhelm von Humboldt traf das erste Mal 1789 mit Goethe zusammen, als er sich auf der Rückreise aus dem revolutionären Paris in Erfurt aufhielt, um sich dort mit Caroline von Dacheröden zu verloben. Die Begegnung blieb freilich eine flüchtige Episode. Eine nähere und sogleich äußerst intensive Bekanntschaft mit Goethe erfolgte erst 1794: Mit seiner nunmehrigen Frau Caroline war Humboldt gerade nach Jena gezogen, wo er sich an Schillers Horen-Projekt beteiligte, für das die beiden Freunde auch Goethe gewinnen konnten. Diese Konstellation erwies sich rasch als überaus fruchtbar für alle Beteiligten, zu denen bald auch Humboldts Bruder Alexander stieß, der damals häufig zu Besuch nach Jena kam. Neben philologischen, metrischen und allgemein ästhetischen Fragen erörterte Goethe mit Humboldt auch naturwissenschaftliche Probleme sowie im besonderen seinen eben in Entstehung begriffenen Roman Wilhelm Meisters Lehrjahre. Unterbrochen wurde diese von den Freunden als ausgesprochen glücklich erlebte und erinnerte Zeit im Juli 1795, als
Humboldt zu seiner kranken Mutter eilte, von wo er erst im November 1796 nach Jena zurückkehrte. Doch schon im April 1797 verließ die Familie Humboldt Jena gänzlich, um bis 1801 in Paris zu leben und durch Spanien zu reisen. 1799 veröffentlichte Humboldt die berühmte Studie Über Göthes Hermann und Dorothea (Ästhetische Versucht. Erster Theil), seine einzige selbständige Publikation zu Lebzeiten. In seinen Briefen aus Frankreich versah er den Freund mit Material zu einer Physiognomie des französischen Nationalcharakters sowie mit Nachrichten über
die zeitgenössische französische Kunst und Wissenschaft, die Goethe dann auszugsweise in den Propyläen veröffentlichte. 1802, nach seiner Rückkehr aus Frankreich, trat Humboldt in den preußischen Staatsdienst, der ihn bald mit z.T. längerdauernden diplomatischen Missionen nach Rom, Wien, Frankfurt und London betraute. Seine literarische und wissenschaftliche Kooperation mit Goethe konnte Humboldt deshalb nicht mehr nach bewährter Art weiterführen. So nahm der sporadischer werdende Briefwechsel zu dieser Zeit einen mehr persönlichen Charakter an. Als ein spätes Zeugnis für die trotz mancher kleinerer Irritation bis ans Lebensende Goethes währende Freundschaft gilt Humboldts Rezension von Goethes Zweitem römischen Aufenthalt (1829), die 1830 in den Berliner Jahrbüchern für wissenschaftliche Kritik erschien. Die große gegenseitige Wertschätzung findet ihren symbolischen Ausdruck im Umstand, daß noch der letzte Brief Goethes
vom 17. März 1832 an Humboldt gerichtet war. Die zwar nicht vollständig erhaltene, dennoch äußerst umfangreiche Korrespondenz zwischen Goethe und Humboldt erstreckt sich über 38 Jahre. Sie zählt zu den bedeutendsten überlieferten Korrespondenzen der Goethezeit und gliedert sich in unterschiedliche Phasen. Bis 1797 begleitet und ergänzt der Briefwechsel die mündlichen Unterhaltungen der gemeinsamen Jenenser Zeit. Eine zweite Phase ist mit dem Paris-Aufenthalt der Familie Humboldt verbunden, während dessen Wilhelm die unterbrochene Diskussion mit Goethe durch teilweise sehr lange Briefe zu ersetzen sucht. Die darauf
folgenden römischen Briefe Humboldts sind dagegen weniger den Erörterungen grundsätzlicher Probleme gewidmet, sondern stehen eher für das Bemühen, die Verbindung nicht ganz abreißen zu lassen. Die Briefe der späten Jahre sind v.a. organisatorischer und gesellschaftlicher Art. Erst in den letzten beiden Jahren, nach der Humboldtschen Rezension des Zweiten römischen Aufenthalts, gewinnt der gegenseitige Austausch wieder eine früher schon gekannte Intensität; der zweite Teil des Faust und der Charakter von Goethes Dichtungen, insbesondere deren Nähe zu den Naturwissenschaften, werden jetzt eingehend diskutiert. Da die Korrespondenz im besonderen Ausmaß durch Humboldts Anteil geprägt ist, werden hier auch einige wichtige Humboldt-Briefe wiedergegeben.

nach oben

10. Karsten, Dietrich Ludwig Gustav (1 Briefe G.s u. 1 Brief an G.)

5.4.1768 in Bützow/Meckl., gest. 20.5.1810 in Berlin

aoM 28.7.1803 (Bestät. 2.8.1803), OM 4.8.1808 (Bestät. 15.8.1808)

Mineralogie, Bergbauwissenschaft

Der kurze Briefwechsel über Montanistik und Gesteinskunde beginnt mit einem Begleitschreiben Karstens zu seinen Mineralogischen Tabellen, die er Goethe übersandte. Bei dieser Gelegenheit bat er Goethe um Auskunft hinsichtlich der "Gebirgsarten vom Kammerberge bei Eger", die für ihn rätselhaft seien (RA Bd. 5, S. 361).

nach oben

11. Lichtenstein, Martin Heinrich Carl [bzw. Hinrich] (1 Briefe G.s u. 1 Brief an G.)

Lichtenstein.JPG

Quelle: Archiv der BBAW

Geb. 10.1.1780 in Hamburg, gest. 3.9.1857 auf See zw. Korsör u. Kiel

OM 24.3.1814 (Bestät. 14.5.1814)

Zoologie

Lichtenstein wurde 1811 zum Professor für Zoologie an der Universität Berlin ernannt, 1813 zum Direktor des Zoologischen Museums. 1844 gründete er den Berliner Zoo.

Der erste Kontakt zwischen Goethe und Lichtenstein betraf den Verkauf einer Gemäldesammlung (vgl. RA Bd. 5, S. 501). Später korrespondierte Lichtenstein mit Goethe in seiner Eigenschaft als Präsident der Gesellschaft deutscher Naturforscher, also in rein administrativer Funktion.

nach oben

12. Müller, Johannes v. (8 Briefe G.s u. 8 Briefe an G.)

Geb. 3.1.1752 in Schaffhausen, gest. 11.5.1809 in Kassel

AM 18.8.1788, OM 28.7.1804, AM Jan. 1807

Geschichte

Müller wurde 1772 Professor für griechische Sprache am Gymnasium in Schaffhausen, 1782 Dozent an der Kriegsakademie in Kassel. Nach einer vorübergehenden Beschäftigung als Bibliothekar der kurfürstlichen Bibliothek ernannte ihn der Kurfürst von Mainz 1787 zum Staatsrat, Staatsreferendar und geheimen Kabinettssekretär. 1797 avancierte er zum Hofrat in der Wiener Hof- und
Staatskanzlei und wurde als Edler v. Sylfelden geadelt. 1800 ernannte ihn Franz II. zum 1. Kustos der kaiserlichen Bibliothek in Wien. 1804 zog Müller nach Berlin und wurde dort Geheimer Rat und Historiograph des preußischen Königs, 1807 Ministerstaatssekretär des Königreiches Westfalen in Kassel sowie zugleich Staatsrat und Generaldirektor des öffentlichen Unterrichts. Die Umwandlung des Status der Mitgliedschaft im Jahr 1804 erfolgte gemeinsam mit der Berufung nach Berlin auf
Befehl des preußischen Königs.

Goethe warb Müller 1803 für die neuorganisierte Jenaische Allgemeine Litteraturzeitung. In seinem ersten erhaltenen, ausführlichen Brief nimmt Müller darauf Bezug, bietet mehrere Rezensionen an und kommt schließlich auf Schillers Bearbietung des Wilhelm-Tell-Stoffes zu sprechen, wofür er sich sehr interessiere. Mehrere weitere Briefe Müllers sind knappe Empfehlungen und Besuchsankündigungen oder betreffen wiederum die Mitarbeit in der JALZ. Müller diskutierte mit Goethe auch zeitgeschichtliche und allgemein politische Fragen und empfahl ihm nachdrücklich die Übersetzung von Niccolò Foscolos Ultime lettere di Jacopo Ortis. Goethe seinerseits übersetzte Müllers Rede De la gloire de Frédéric. Sein Anteil an der Korrespondenz ist v.a. privater und informeller (bzw. organisatorischer) Art. Darüber hinaus zeigte er großes Interesse an den
historiographischen Projekten Müllers.

nach oben

13. Niebuhr, Barthold Georg (4 Briefe Goethes + 2 Konzepte eines nicht abgesandten Briefes)

Niebuhr.JPG

Abbildung: Archiv der BBAW

Geb. 27.7.1776 in Kopenhagen, gest. 2.1.1831 in Bonn

OM 29.3.1810 (Bestät. 7.4.1810)

Geschichte, Altertumskunde

Niebuhrs Karriere begann 1796 als Privatsekretär des dänischen Finanzministers und setzte sich schon im folgenden Jahr mit der Stelle eines Sekretärs der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen fort. 1799 wurde Niebuhr Assessor und 1804 Direktor des dänischen Ostindischen Büros sowie Mitglied der Kommission für 'Barbareskenangelegenheiten'. Die neugegründete Berliner Universität
berief ihn 1810 zum Professor für römische Geschichte in die preußische Hauptstadt. Nachdem Niebuhr seit 1814 neben seiner universitären Lehrtätigkeit auch den preußischen Kronprinzen unterrichtet hatte, wurde er 1816 zum Ministerresident in Rom und 1824 zum Wirklichen Staatsrat ernannt. Die wissenschaftsgeschichtliche Bedeutung Niebuhrs liegt in der Begründung der kritischen Methode der neueren Historiographie. Goethes Briefe betreffen v.a. Niebuhrs Römische Geschichte.

nach oben

14. Parthey, Gustav Friedrich Constantin (1 Brief G.s)

Geb. 27.10.1798 in Berlin, gest. 2.4.1872 in Rom

OM 30.7.1857 (Bestät. 24.8.1857)

Klassische Philologie

Goethes kurzer Brief an den Berliner Buchhändler und Philologen ist eine persönliche Einladung.

nach oben

15. Radowitz, Joseph Maria Ernst Christian Wilhelm v. (1 Brief G.s)

Geb. 6.2.1797 in Blankenburg, gest. 25.12.1853 in Berlin

EM 26.5.1853 (Bestät. 27.6.1853)

ohne Fachzuteilung

Goethes Brief an den Soldaten, Politiker und preußischen Staatsbeamten ist rein gesellschaftlicher Natur.

nach oben

16. Raumer, Friedrich v. (1 Konzept eines nicht abgegangenen [!] Briefes von G.)

Raumer.JPG

Abbildung: Archiv der BBAW

Geb. 14.5.1781 in Wörlitz/Anhalt, gest. 14.6.1873 in Berlin

OM 10.6.1827 (Bestät. 18.6.1827) - 22.3.1847 (Austritt aus der Akademie)

Geschichte, Staatswissenschaften

nach oben

17. Rühle v. Lilienstern, Johann Jacob Otto August (2 Briefe G.s u. 2 Briefe an G.)

Geb. 16.4.1780 in Berlin, gest. 1.7.1847 in Salzburg

EM 19.3.1846 (Bestät. 6.5.1846)

ohne Fachzuteilung

Der Briefwechsel zwischen Rühle v. Lilienstern und Goethe betrifft zunächst die Erziehung des Prinzen Bernhard, mit der Herzog Carl August den späteren preußischen Soldaten und Staatsbeamten beauftragt hatte. Rühle wollte sie nach den Grundsätzen gestalten, die Goethe dem Abbée in Wilhelm Meisters Lehrjahren in den Mund gelegt habe (vgl. RA Bd. 5, S. 272). Später dreht sich die Korrespondenz um Rühles Werke, insonderheit um ein Buch über ägyptische Geschichte.

nach oben

18. Savigny, Friedrich Carl v. (1 Brief G.s)

Savigny.JPG

Abbildung: Archiv der BBAW

Geb. 22.2.1779 in Berlin, gest. 25.10.1861 in Berlin

OM 4.4.1811 (Bestät. 29.4.1811)

Rechtswissenschaft, römisches Recht

Goethes Brief bezieht sich v.a. auf Niebuhrs Werk und dessen unerwarteten Tod im Jahr 1831.

nach oben

19. Schelling, Friedrich Wilhelm Joseph (18 + 1 Briefe G.s und 39 Briefe an G.)

Geb. 27.1.1775 in Leoberg/Württ., gest. 20.8.1854 in Ragaz/Schweiz

AM 12.4.1832 (Bestät. 7.5.1832), OM 3.12.1842

Philosophie

Da Schelling erst 1841, also lange nach Goethes Tod, zum Professor der Philosophie an der Berliner Universität ernannt worden ist, vorher aber nicht in Berlin gewohnt hat, wurde seine Korrespondenz mit Goethe nicht in die Datenbank der (zumindest zeitweilig) in Berlin ansäßigen Korrespondenten aufgenommen.

Vgl. die Informationen zu Schelling im Abschnitt Goethe-Autographen der BBAW.

nach oben

20. Schleiermacher, Friedrich (1 Brief G.s)

Schleiermacher.JPG

Abbildung: Archiv der BBAW

Geb. 21.1.1768 in Breslau, gest. 12.2.1834 in Berlin

OM 29.3.1810 (Bestät. 7.4.1810)

Theologie, Philosophie

Goethes Brief ist eine Einladung zur Mitarbeit an der 1803 reorganisierten Jenaischen Allgemeinen Litteraturzeitung.

nach oben

21. Sprengel, Kurt Polycarp Joachim (4 Briefe G.s u. 2 Briefe an G.)

Geb. 3.8.1766 in Boldekow bei Anklam, gest. 15.3.1833 in Halle/Saale

KM 28.2.1822

Medizin, Botanik

Die Korrespondenz ist privat oder naturwissenschaftlich ausgerichtet und betrifft neben gegenseitigen Danksagungen und Empfehlungen v.a. botanische Spezialprobleme.

nach oben

22. Stein, Heinrich Friedrich Carl Reichsfrh. vom und zum (4 Briefe G.s)

Geb. 26.10.1757 in Nassau, gest. 29.6.1831 in Kappenberg/Westf.

EM 10.5.1827 (Bestät. 18.6.1827)

Rechts- und Staatswissenschaften

Goethes Briefe sind privater und gesellschaftlicher, kaum aber wissenschaftlicher Natur.

nach oben

23. Stein zum Altenstein, Carl Frh. vom (5 Briefe G.s)

Geb. 1.10.1770 in Schalkhausen bei Ansbach, gest. 14.5.1840 in Berlin

EM 28.3.1822

ohne Fachzuteilung

Die Briefe Goethes an den preußischen Politiker und Staatsbeamten entspringen v.a. administrativen Verpflichtungen (so die Erlaubnis zu 'Fernleihe' des Jenenser Codex - vgl. den Eintrag zu Friedrich Heinrich v. d. Hagen - und weiterer in Weimarischem Besitz befindlicher historischer Manuskripte nach Berlin). Daneben dienen sie privaten und informellen Mitteilungen (persönlichen Dank, Empfehlungen, etc.).

nach oben

24. Süvern, Johann Wilhelm (2 Briefe G.s u. 1 Brief an G.)

Geb. 3.1.1775 in Lemgo, gest. 2.10.1829 in Berlin

OM 23.3.1815 (Bestät. 3.5.1815)

Altertumswissenschaften

Der Pädagoge und Philologe Süvern wurde 1796 Mitglied des philologisch-pädagogischen Seminars in Berlin, 1800 Gymnasialdirektor in Thorn und 1804 in Elbing. 1807 avancierte er zum Professor in Königsberg und 1809 zum Staatsrat in der Unterrichtsabteilung des preußischen Innenministeriums, seit 1817 im Kultusministerium.

Süvern wendete sich schon im Jahr 1800 an Goethe, indem er ihm seine Schrift Über Schillers Wallenstein in Hichsicht auf griechische Tragödie mit einem kurzen Begleitschreiben und der Bitte um Goethes Urteil schickte (vgl. RA Bd. 3, S. 206). Der erst 23 Jahre später abgegangene erste Brief Goethes reflektiert u.a. das Verhältnis von Autobiographie und Historiographie. Der zweite dankt für die gewährte Einsicht in einen Schillerbrief.

nach oben

25. Uhden, Johann Daniel Wilhelm Otto (1 Brief G.s)

Geb. 23.8.1763 in Berlin, gest. 21.1.1835 in Berlin

AM 4.8.1808 (Bestät. 15.8.1808), OM 29.3.1810 (Bestät. 7.4.1810)

Archäologie

Goethes Brief ist eine private Anfrage.

nach oben

26. Walter, Friedrich August (1 Brief G.s)

Geb. 26.9.1764 in Berlin, gest. 18.12.1826 in Berlin

OM 16.1.1794

Anatomie

Goethe bedankt sich für die Übersendung von Walters Schrift Die wiederhergestellte Malerkunst der Alten (1820).

nach oben


URL dieser Seite: http://bibliothek.bbaw.de/goethe/ausstellung/netzwerke/korrespondent

Datenschutzhinweise | Impressum | Kontakt | Letzte Änderung: 17.08.2006