- Name (und Anzahl der erhaltenen Briefe)
- Lebensdaten
- Status und Zeit der Mitgliedschaft in der
Akademie
- (akademische) Fachrichtung
- weiterführende biographische Informationen
- Anmerkungen über die Natur der Korrespondenz
1. Bitaubé, Paul Jeremias (1 Brief G.s u. 1 Brief an G.)
2. Buch, Christian Leopold Frh. v. (1 Brief G.s)
3. Diez, Heinrich Friedrich v. (4 Briefe G.s)
4. Ehrenberg, Christian Gottfried (1 Brief G.s)
5. Hagen, Friedrich Heinrich v. d. (4 Briefe G.s u. 3 Briefe an G.)
6. Hirt, Aloys Ludwig (8 Briefe G.s u. 13 Briefe an G.)
7. Hufeland, Christoph Wilhelm (2 Briefe G.s u. 3 Briefe an G.)
8. Humboldt, Alexander v. (8 Briefe G.s u. 15 Briefe an G.)
9. Humboldt, Wilhelm v. (35 Briefe G.s u. 83 Briefe an G.)
10. Karsten, Dietrich Ludwig Gustav (1 Briefe G.s u. 1 Brief an G.)
11. Lichtenstein, Martin Heinrich Carl (1 Briefe G.s u. 1 Brief an G.)
12. Müller, Johannes v. (8 Briefe G.s u. 8 Briefe an G.)
13. Niebuhr, Barthold Georg (4 Briefe Goethes + 2 Konzepte eines nicht abgesandten Briefes)
14. Parthey, Gustav Friedrich Constantin (1 Brief G.s)
15. Radowitz, Joseph Maria Ernst Christian Wilhelm v. (1 Brief G.s)
16. Raumer, Friedrich v. (1 Konzept eines nicht abgegangenen Briefes von G.)
17. Rühle v. Lilienstern, Johann Jacob Otto August (2 Briefe G.s u. 2 Briefe an G.)
18. Savigny, Friedrich Carl v. (1 Brief G.s)
19. Schelling, Friedrich Wilhelm Joseph (18 + 1 Briefe G.s und 39 Briefe an G.)
20. Schleiermacher, Friedrich (1 Brief G.s)
21. Sprengel, Kurt Polycarp Joachim (4 Briefe G.s u. 2 Briefe an G.)
22. Stein, Heinrich Friedrich Carl Reichsfrh. vom und zum (4 Briefe G.s)
23. Stein zum Altenstein, Carl Frh. v. (5 Briefe G.s)
24. Süvern, Johann Wilhelm (2 Briefe G.s u. 1 Brief an G.)
25. Uhden, Johann Daniel Wilhelm Otto (1 Brief G.s)
26. Walter, Friedrich
August (1 Brief G.s)
Aus hugenott. Familie, geb. am 24.11.1732 in Königsberg, gest. am 22.11.1808
OM 29.5.1766 - 1792 u. ab 4.6.1795
Übersetzer in das und aus dem Französischen
Bitaubé wurde auf Befehl Friedrichs II. Mitglied der Akademie. Da er sich danach ständig in Paris aufhielt, wurde er 1792 aus der Akademie ausgeschlossen, ab dem 4.6.1795 durch eine Order Friedrich Wilhelms II. aber wieder als Mitglied geführt.
Der Briefwechsel betrifft Bitaubés französische Übersetzung
von Hermann und Dorothea. Goethe
äußert sich dabei über die soziale und kulturelle Lage
Frankreichs nach der Revolution.
Abbildung: Bildarchiv der BBAW
Geb. 25.4.1774 in Schloß Stolpe/Uckermark, gest. 4.3.1853 in Berlin
aoM 13.3.1806 (Bestät. 27.3.1806)
OM 4.8.1808 (Bestät. 15.8.1808)
Geologie, Paläontologie
Goethe dankt für Übersendung naturwissenschaftlicher Literatur.
Geb. 2.9.1751 in Bernburg, gest. 7.4.1817 in Berlin
EM 24.3.1814 (Bestät. 14.5.1814)
Orientalistik
Die Briefe behandeln v.a. "das weite Feld des orientalischen Studiums" (WA IV, Bd. 26, S. 152 f.), darunter besonders sprach- und literaturwissenschaftliche Fragen, in denen Goethe Diezens Rat suchte.
Abbildung: Archiv der BBAW
Geb. 19.4.1795 in Delitzsch bei Leipzig, gest. 27.6.1876 in Berlin
KM 13.4.1826
OM 31.5.1827 (Bestät. 18.6.1827)
Zoologie, Botanik, Paläontologie
Goethe dankt für Übersendung naturwissenschaftlicher Schriften.
Abbildung: Archiv der BBAW
Geb. 19.2.1780 in Schmiedeberg/Schles., gest. 11.6.1856 in Berlin
OM 11.2.1841 (Bestät. 9.3.1841) - also nach der Korrespondenz mit Goethe!
Germanistik
Hagen wurde 1801 Referendar in Berlin, 1811 Professor in Breslau und
1824 in Berlin.
Die Korrespondenz bezieht sich v.a. auf das von Hagen edierte Nibelungenlied
und allgemein auf
die ältere deutsche Literatur (Minnesang etc.). Hagen hatte Goethe
zunächst seine zusammen mit
Johann Gustav Gottlieb Büsching herausgegebene Sammlung deutscher
Volkslieder (Berlin 1807)
überreicht und danach mit einem ausführlichen Begleitbrief
seine Edition des Nibelungenlieds
geschickt, wodurch er Goethe zu einer Bearbeitung "in einer Reihe von
Tragödien" anregen wollte
(RA Bd. 5, S. 264). Tatsächlich beschäftigte sich Goethe
in der Folge mit dem altdeutschen Text
(vgl. seine Nibelungenlied-Studien). Auf Hagens Bitte vermittelte er
auch eine 'Fernleihe' des
Jenaischen Codex der Minnesinger (Jenaer Liederhandschrift) nach Berlin
und erhielt im Gegenzug
mehrere Publikationen des Literaturhistorikers als Geschenk.
Abbildung: Archiv der BBAW
Geb. 27.6.1759 in Behla bei Donaueschingen, gest. 29.6.1837 in Berlin
OM 3.11.1796
Kunstgeschichte, Archäologie
Hirt hielt sich von 1782 bis 1796 in Italien (v.a. in Rom) auf, erwarb sich dort große archäologische Kenntnisse und zählte während der Italienischen Reise Goethes (1786-1788) zu dessen engerem römischen Bekanntenkreis (vgl. Goethes Erwähnungen in Briefen an Wieland und Herder sowie in der Italienischen Reise*). Er wurde zu dieser Zeit und danach von Goethe aktiv gefördert. 1796 zog Hirt nach Berlin, wo er ohne Wahl aufgrund eines Gutachtens über die preußischen Kunstschätze von Friedrich Wilhelm II. zum Ordentlichen Mitglied der Königlichen Preußischen Akademie der Wissenschaften ernannt wurde. 1806 betrieb er erfolgreich Goethes Ernennung zum Auswärtigen Mitglied der Akademie der Wissenschaften. 1810 erhielt er eine Professur an der neugegründeten Berliner Universität. Hirt war auch Mitbegründer der Berliner Museen.
Der Briefwechsel mit Goethe hat privaten und gelehrten Charakter, wobei
besonders künstlerische,
kunst- und architekturhistorische sowie archäologische Themen
erörtert wurden. Hirts
kunsttheoretische Thesen bildeten den Anlaß zu Goethes Aufsatz
Laokoon (1798) sowie den
Ausgangs- bzw. Bezugspunkt des 5. und 6. Briefes der Goetheschen Künstlernovelle
Der Sammler
und die Seinigen (1799).
(*) Italienische Reise, Bericht November 1787:
"Bei einer so feierlichen Gelegenheit ist es der Erinnerung gemäß, auch Herrn Hirts zu gedenken, der unserem Verein auf mehr als eine Weise nützlich und förderlich gewesen. Im Fürstenbergischen 1759 geboren, fand er nach zurückgelegten Studien der alten Schriftsteller einen unwiderstehlichen Trieb, sich nach Rom zu verfügen. Er war einige Jahre früher daselbst angekommen als ich und hatte sich auf die ernstlichste Weise mit alten und neuern Bau- und Bildwerken jeder Art bekannt gemacht und sich zu einem unterrichtenden Führer von wißbegierigen Fremden geeignet. Auch mir erwies er diese Gefälligkeit mit aufopfernder Teilnahme.
Sein Hauptstudium war die Baukunst, ohne daß er den klassischen
Lokalitäten und so viel andern
Merkwürdigkeiten seine Beachtung entzogen hätte. Seine theoretischen
Ansichten über Kunst gaben
in dem streit- und parteisüchtigen Rom vielfaltige Gelegenheit
zu lebhaften Diskussionen. Aus der
Verschiedenheit der Ansichten kommen besonders dort, wo immer und überall
von Kunst die Rede
ist, gar mannigfaltig Hin- und Widerreden, wodurch der Geist in der
Nähe so bedeutender
Gegenstände lebhaftest angeregt und gefördert wird. Unsres
Hirts Maxime ruhte auf Ableitungen
griechischer und römischer Architektur von der ältesten notwendigsten
Holzkonstruktion, worauf er
denn Lob und Tadel der neuern Ausführung gründete und sich
dabei der Geschichte und Beispiele
geschickt zu bedienen wußte. Andere behaupteten dagegen, daß
in der Baukunst wie in jeder andern
geschmackvolle Fiktionen stattfänden, auf welche der Baukünstler
niemals Verzicht tun dürfe, indem
er sich in den mannigfaltigsten Fällen, die ihm vorkommen, bald
auf diese, bald auf jene Weise zu
helfen habe und von der strengen Regel abzuweichen genötigt sei.
In Absicht auf Schönheit geriet er auch oft mit andern Künstlern
in Diskrepanz, indem er den Grund
derselben ins Charakteristische legte, da ihm denn insofern diejenigen
beipflichteten, welche sich
überzeugt hielten, daß freilich der Charakter jedem Kunstwerk
zum Grunde liegen müsse, die
Behandlung aber dem Schönheitssinne und dem Geschmack anempfohlen
sei, welche einen jeden Charakter in seiner Angemessenheit sowohl als in seiner Anmut darzustellen
haben. Weil aber die
Kunst im Tun und nicht im Reden besteht, man aber dennoch immerfort
mehr reden als tun wird, so
begreift man leicht, daß dergleichen Unterhaltungen damals grenzenlos
waren, wie sie es bis in die
neusten Zeiten geblieben sind."
Quelle: Goethe: Italienische Reise, HA Bd. 11, S. 441 f.
Abbildung: Archiv der BBAW
Geb. 12.8.1762 in Langensalza, gest. 25.8.1836 in Berlin
OM 23.12.1800
Medizin
Hufeland, der seit 1783 als praktischer Arzt ordinierte, wurde 1787
zum Hofarzt in Weimar und
1793 zum Professor für Medizin an der Universität Jena ernannt.
1801 wechselte er nach Berlin, wo
er Leibarzt der königlichen Familie sowie Direktor des Collegiums
medicum und 1. Arzt der Charité
wurde; 1810 Professor für spezielle Pathologie und Therapie an
der neugegründeten Berliner
Universität. Nach der Aufhebung des Oberkollegiums medicum war
Hufeland leitender Beamter der
Abteilung Gesundheitswesen im preußischen Innenministerium und
Leiter der reorganisierten
Medizinisch-Chirurgischen Militärakademie, zugleich Staatsrat.
Mitglied der Akademie wurde er
ohne Wahl auf Weisung des Königs.
Die Korrespondenz ist teilweise persönlich und betrifft teilweise administrative, gesundheitspolitische oder allgemein naturwissenschaftliche Aspekte. Die drei erhaltenen Briefe Hufelands sind jeweils relativ kurze Begleitschreiben zu übersandten medizinischen oder gesundheitspolitischen Schriften verschiedener Autoren.
Geb. 14.9.1769 in Berlin, gest. 6.5.1859 in Berlin
aoM 25.7.1800 (Bestät. 4.8.1800), OM 19.2.1805
Naturwissenschaften, Geographie
Humboldt wurde 1793 Oberbergmeister der seit (1792 preußischen)
Fürstentümer Ansbach und
Bayreuth (1794 Bergrat, 1795 Oberbergrat). Von dort besuchte er des
öfteren seinen älteren
Bruder Wilhelm, der von 1794 bis 1797 mit seiner Frau Caroline in Jena
wohnte. Über die
Vermittlung des Bruders trat Alexander von Humboldt auch in einen engeren
persönlichen und
(natur)wissenschaftlichen Kontakt zu Goethe, was für beide Seiten
äußerst befruchtend war. Die
freundschaftlichen Diskussionen überschritten von Beginn an ein
reines Fachinteresse, wobei die
Mineralogie und die Botanik in dieser Phase des wechselseitigen Austausches
dennoch das zentrale
Bezugsfeld der gemeinsamen Bemühungen blieb. Eine anhaltende intellektuelle
Prägung erfuhr
Humboldt durch Goethes Konzeption eines "thierischen Typus" sowie durch
dessen allgemeine
Metamorphosenlehre. Ende 1796 schied Humboldt aus dem Staatsdienst
aus und begann mit seinen
Vorbereitungen auf die lange geplanten Forschungsreisen. Goethe beteiligte
sich 1797 rege an
Humboldts Experimenten im Laboratorium der Naturforschenden Gesellschaft
in Jena - ein erster
Höhepunkt ihrer Freundschaft, der durch einen Brief Goethes an
Johann Friedrich Unger vom 28.
März dokumentiert wird (*). Nach Humboldts großer Amerikareise
(1799-1804), die seine
internationale wissenschaftliche Reputation begründete, wurden
die freundschaftlichen und
wissenschaftlichen Kontakte wieder aufgenommen. Ende 1805 kehrte Humboldt
zurück nach Berlin,
wo er sich zwei Jahre zurückgezogen der Arbeit an seinem monumentalen
Reisewerk widmete,
dessen Niederschrift und Edition (dt. 1807-29, frz. 1810-32) er daraufhin
in Paris unter besseren
Bedingungen bis 1826 fortsetzte (der erste Teil ist Goethe gewidmet).
Nach einem fast
zwanzigjährigen Aufenthalt in der französischen Hauptstadt
reiste er 1826 über Weimar nach Berlin.
Das dabei im Dezember erfolgte Zusammentreffen mit Goethe hat dieser
durch seine Äußerungen zu
Eckermann (*) sowie in seinen knappen Tagebuchnotizen (11.-13.12.1826)
dokumentiert. Einen
weiteren Höhepunkt erfuhr die Freundschaft durch Humboldts letzten
Besuch im Januar 1831, als er
Goethe über seine russisch-sibirische Reise von 1829 sowie über
den im Februar 1830 entbrannten
Pariser Akademiestreit berichtete. Nur ein Bruchteil des ausführlichen Briefwechsels zwischen Goethe
und dem immerhin zwanzig Jahre
jüngeren Humboldt ist erhalten. Von Beginn an wurden wissenschaftliche
Fragen, etwa über
Kristallisationsphänomene oder Muskelreize diskutiert. Nach seiner
Rückkehr aus Amerika pries
Humboldt die von Goethe "vollbrachte Vereinigung von Dichtkunst, Philosophie
und Naturkunde"
und versuchte davon angeregt in seinen Ideen zu einer Physiognomik
der Gewächse (1806)
selbst, "physikalische und botanische Gegenstände ästhetisch
zu behandeln" (RA Bd. 5, S. 122) - ein
Ansinnen, das Goethe durch die anerkennende Rezension der Schrift in
der Jenaischen
Allgemeinen Litteraturzeitung zu würdigen wußte. In den
Wahlverwandtschaften (1809) ließ
Goethe dann die Figur der Ottilie ein Lob Humboldts in ihr Tagebuch
eintragen; dagegen entsprach
er nicht dem ausdrücklichen Wunsch des Freundes um "ein öffentliches
Wort" zu Humboldts Vues
des Cordillères, in denen - wie der Verfasser in Anspielung
an Goethes analogische Natur- und
Kunstanschauung hervorhob - "Natur und Kunst [...] eng verschwistert"
seien (RA Bd. 5, S. 463).
Die späteren Briefe sind v.a. freundschaftlicher und gesellschaftlicher
Art. Um der
geistesgeschichtlichen Bedeutung der Korrespondenz zu entsprechen,
werden hier auch einige
ausgewählte Briefe Humboldts wiedergegeben.
(*) Goethe an Johann Friedrich Unger, 28.3.1797: "Die Gegenwart des Herrn Berg Rath v. Humboldt macht mir, ich darf wohl sagen, eine ganz besondere Epoche, indem er alles in Bewegung setzt was mich von so vielen Seiten interessiren kann, ich darf ihn wohl in seiner Art einzig nennen, denn ich habe Niemanden gekannt der mit einer so bestimmt gerichteten Thätigkeit eine solche Vielseitigkeit des Geistes verbände, es ist incalculabel was er noch für die Wissenschaften thun kann."
Quelle: WA IV, Bd. 12, S. 79 f.
(*) Johann Peter Eckermann: Gespräche mit Goethe in den letzten
Jahren seines Lebens,
11.12.1826:
(*) Johann Peter Eckermann: Gespräche mit Goethe in den letzten
Jahren seines Lebens,
11.12.1826:
"Ich fand Goethe in einer sehr heiter aufgeregten Stimmung. 'Alexander
von Humboldt ist diesen
Morgen einige Stunden bei mir gewesen, sagte er mir sehr belebt entgegen.
Was ist das für ein
Mann! - Ich kenne ihn so lange und doch bin ich von neuem über
ihn in Erstaunen. Man kann sagen,
er hat an Kenntnissen und lebendigem Wissen nicht seines Gleichen.
Und eine Vielseitigkeit, wie sie
mir gleichfalls noch nicht vorgekommen ist! Wohin man rührt, er
ist überall zu Hause und
überschüttet uns mit geistigen Schätzen. Er gleicht
einem Brunnen mit vielen Röhren, wo man überall
nur Gefäße unterzuhalten braucht und wo es uns immer erquicklich
und unerschöpflich
entgegenströmt. Er wird einige Tage hier bleiben, und ich fühle
schon, es wird mir sein als hätte ich
Jahre verlebt.'"
Quelle: Johann Peter Eckermann: Gespräche mit Goethe in den letzten
Jahren seines Lebens
(MA Bd. 19, S. 168).
Abbildung: Archiv der BBAW
Geb. 22.6.1767 in Potsdam, gest. 8.4.1835 in Tegel bei Berlin
AM 4.8.1808 (Bestät. 15.8.1808), OM 29.3.1810 (Bestät. 7.4.1810),
AM 5.3.1812 (Best.
25.6.1812), OM Febr. 1820
Sprachwissenschaft
Wilhelm von Humboldt traf das erste Mal 1789 mit Goethe zusammen, als
er sich auf der Rückreise
aus dem revolutionären Paris in Erfurt aufhielt, um sich dort
mit Caroline von Dacheröden zu
verloben. Die Begegnung blieb freilich eine flüchtige Episode.
Eine nähere und sogleich äußerst
intensive Bekanntschaft mit Goethe erfolgte erst 1794: Mit seiner nunmehrigen
Frau Caroline war
Humboldt gerade nach Jena gezogen, wo er sich an Schillers Horen-Projekt
beteiligte, für das die
beiden Freunde auch Goethe gewinnen konnten. Diese Konstellation erwies
sich rasch als überaus
fruchtbar für alle Beteiligten, zu denen bald auch Humboldts Bruder
Alexander stieß, der damals
häufig zu Besuch nach Jena kam. Neben philologischen, metrischen
und allgemein ästhetischen
Fragen erörterte Goethe mit Humboldt auch naturwissenschaftliche
Probleme sowie im besonderen
seinen eben in Entstehung begriffenen Roman Wilhelm Meisters Lehrjahre.
Unterbrochen wurde
diese von den Freunden als ausgesprochen glücklich erlebte und
erinnerte Zeit im Juli 1795, als
Humboldt zu seiner kranken Mutter eilte, von wo er erst im November
1796 nach Jena
zurückkehrte. Doch schon im April 1797 verließ die Familie
Humboldt Jena gänzlich, um bis 1801 in
Paris zu leben und durch Spanien zu reisen. 1799 veröffentlichte
Humboldt die berühmte Studie
Über Göthes Hermann und Dorothea (Ästhetische Versucht.
Erster Theil), seine einzige
selbständige Publikation zu Lebzeiten. In seinen Briefen aus Frankreich
versah er den Freund mit
Material zu einer Physiognomie des französischen Nationalcharakters
sowie mit Nachrichten über
die zeitgenössische französische Kunst und Wissenschaft,
die Goethe dann auszugsweise in den
Propyläen veröffentlichte. 1802, nach seiner Rückkehr
aus Frankreich, trat Humboldt in den
preußischen Staatsdienst, der ihn bald mit z.T. längerdauernden
diplomatischen Missionen nach
Rom, Wien, Frankfurt und London betraute. Seine literarische und wissenschaftliche
Kooperation
mit Goethe konnte Humboldt deshalb nicht mehr nach bewährter Art
weiterführen. So nahm der
sporadischer werdende Briefwechsel zu dieser Zeit einen mehr persönlichen
Charakter an. Als ein
spätes Zeugnis für die trotz mancher kleinerer Irritation
bis ans Lebensende Goethes währende
Freundschaft gilt Humboldts Rezension von Goethes Zweitem römischen
Aufenthalt (1829), die
1830 in den Berliner Jahrbüchern für wissenschaftliche Kritik
erschien. Die große gegenseitige
Wertschätzung findet ihren symbolischen Ausdruck im Umstand, daß
noch der letzte Brief Goethes
vom 17. März 1832 an Humboldt gerichtet war. Die zwar nicht vollständig erhaltene, dennoch äußerst
umfangreiche Korrespondenz zwischen
Goethe und Humboldt erstreckt sich über 38 Jahre. Sie zählt
zu den bedeutendsten überlieferten
Korrespondenzen der Goethezeit und gliedert sich in unterschiedliche
Phasen. Bis 1797 begleitet und
ergänzt der Briefwechsel die mündlichen Unterhaltungen der
gemeinsamen Jenenser Zeit. Eine zweite
Phase ist mit dem Paris-Aufenthalt der Familie Humboldt verbunden,
während dessen Wilhelm die
unterbrochene Diskussion mit Goethe durch teilweise sehr lange Briefe
zu ersetzen sucht. Die darauf
folgenden römischen Briefe Humboldts sind dagegen weniger den
Erörterungen grundsätzlicher
Probleme gewidmet, sondern stehen eher für das Bemühen, die
Verbindung nicht ganz abreißen zu
lassen. Die Briefe der späten Jahre sind v.a. organisatorischer
und gesellschaftlicher Art. Erst in den
letzten beiden Jahren, nach der Humboldtschen Rezension des Zweiten
römischen Aufenthalts,
gewinnt der gegenseitige Austausch wieder eine früher schon gekannte
Intensität; der zweite Teil des
Faust und der Charakter von Goethes Dichtungen, insbesondere deren
Nähe zu den
Naturwissenschaften, werden jetzt eingehend diskutiert. Da die Korrespondenz
im besonderen
Ausmaß durch Humboldts Anteil geprägt ist, werden hier auch
einige wichtige Humboldt-Briefe
wiedergegeben.
5.4.1768 in Bützow/Meckl., gest. 20.5.1810 in Berlin
aoM 28.7.1803 (Bestät. 2.8.1803), OM 4.8.1808 (Bestät. 15.8.1808)
Mineralogie, Bergbauwissenschaft
Der kurze Briefwechsel über Montanistik und Gesteinskunde beginnt
mit einem Begleitschreiben
Karstens zu seinen Mineralogischen Tabellen, die er Goethe übersandte.
Bei dieser Gelegenheit
bat er Goethe um Auskunft hinsichtlich der "Gebirgsarten vom Kammerberge
bei Eger", die für ihn
rätselhaft seien (RA Bd. 5, S. 361).
Quelle: Archiv der BBAW
Geb. 10.1.1780 in Hamburg, gest. 3.9.1857 auf See zw. Korsör u. Kiel
OM 24.3.1814 (Bestät. 14.5.1814)
Zoologie
Lichtenstein wurde 1811 zum Professor für Zoologie an der Universität Berlin ernannt, 1813 zum Direktor des Zoologischen Museums. 1844 gründete er den Berliner Zoo.
Der erste Kontakt zwischen Goethe und Lichtenstein betraf den Verkauf
einer Gemäldesammlung
(vgl. RA Bd. 5, S. 501). Später korrespondierte Lichtenstein mit
Goethe in seiner Eigenschaft als
Präsident der Gesellschaft deutscher Naturforscher, also in rein
administrativer Funktion.
Geb. 3.1.1752 in Schaffhausen, gest. 11.5.1809 in Kassel
AM 18.8.1788, OM 28.7.1804, AM Jan. 1807
Geschichte
Müller wurde 1772 Professor für griechische Sprache am Gymnasium
in Schaffhausen, 1782 Dozent
an der Kriegsakademie in Kassel. Nach einer vorübergehenden Beschäftigung
als Bibliothekar der
kurfürstlichen Bibliothek ernannte ihn der Kurfürst von Mainz
1787 zum Staatsrat, Staatsreferendar
und geheimen Kabinettssekretär. 1797 avancierte er zum Hofrat
in der Wiener Hof- und
Staatskanzlei und wurde als Edler v. Sylfelden geadelt. 1800 ernannte
ihn Franz II. zum 1. Kustos
der kaiserlichen Bibliothek in Wien. 1804 zog Müller nach Berlin
und wurde dort Geheimer Rat und
Historiograph des preußischen Königs, 1807 Ministerstaatssekretär
des Königreiches Westfalen in
Kassel sowie zugleich Staatsrat und Generaldirektor des öffentlichen
Unterrichts. Die Umwandlung
des Status der Mitgliedschaft im Jahr 1804 erfolgte gemeinsam mit der
Berufung nach Berlin auf
Befehl des preußischen Königs.
Goethe warb Müller 1803 für die neuorganisierte Jenaische
Allgemeine Litteraturzeitung. In
seinem ersten erhaltenen, ausführlichen Brief nimmt Müller
darauf Bezug, bietet mehrere Rezensionen
an und kommt schließlich auf Schillers Bearbietung des Wilhelm-Tell-Stoffes
zu sprechen, wofür er
sich sehr interessiere. Mehrere weitere Briefe Müllers sind knappe
Empfehlungen und Besuchsankündigungen oder betreffen wiederum die Mitarbeit in
der JALZ. Müller diskutierte mit
Goethe auch zeitgeschichtliche und allgemein politische Fragen und
empfahl ihm nachdrücklich die
Übersetzung von Niccolò Foscolos Ultime lettere di Jacopo
Ortis. Goethe seinerseits übersetzte
Müllers Rede De la gloire de Frédéric. Sein Anteil
an der Korrespondenz ist v.a. privater und
informeller (bzw. organisatorischer) Art. Darüber hinaus zeigte
er großes Interesse an den
historiographischen Projekten Müllers.
Abbildung: Archiv der BBAW
Geb. 27.7.1776 in Kopenhagen, gest. 2.1.1831 in Bonn
OM 29.3.1810 (Bestät. 7.4.1810)
Geschichte, Altertumskunde
Niebuhrs Karriere begann 1796 als Privatsekretär des dänischen
Finanzministers und setzte sich
schon im folgenden Jahr mit der Stelle eines Sekretärs der Königlichen
Bibliothek in Kopenhagen
fort. 1799 wurde Niebuhr Assessor und 1804 Direktor des dänischen
Ostindischen Büros sowie
Mitglied der Kommission für 'Barbareskenangelegenheiten'. Die
neugegründete Berliner Universität
berief ihn 1810 zum Professor für römische Geschichte in
die preußische Hauptstadt. Nachdem
Niebuhr seit 1814 neben seiner universitären Lehrtätigkeit
auch den preußischen Kronprinzen
unterrichtet hatte, wurde er 1816 zum Ministerresident in Rom und 1824
zum Wirklichen Staatsrat
ernannt. Die wissenschaftsgeschichtliche Bedeutung Niebuhrs liegt in
der Begründung der kritischen
Methode der neueren Historiographie. Goethes Briefe betreffen v.a. Niebuhrs Römische Geschichte.
Geb. 27.10.1798 in Berlin, gest. 2.4.1872 in Rom
OM 30.7.1857 (Bestät. 24.8.1857)
Klassische Philologie
Goethes kurzer Brief an den Berliner Buchhändler und Philologen ist eine persönliche Einladung.
Geb. 6.2.1797 in Blankenburg, gest. 25.12.1853 in Berlin
EM 26.5.1853 (Bestät. 27.6.1853)
ohne Fachzuteilung
Goethes Brief an den Soldaten, Politiker und preußischen Staatsbeamten
ist rein gesellschaftlicher
Natur.
Abbildung: Archiv der BBAW
Geb. 14.5.1781 in Wörlitz/Anhalt, gest. 14.6.1873 in Berlin
OM 10.6.1827 (Bestät. 18.6.1827) - 22.3.1847 (Austritt aus der Akademie)
Geschichte, Staatswissenschaften
Geb. 16.4.1780 in Berlin, gest. 1.7.1847 in Salzburg
EM 19.3.1846 (Bestät. 6.5.1846)
ohne Fachzuteilung
Der Briefwechsel zwischen Rühle v. Lilienstern und Goethe betrifft
zunächst die Erziehung des
Prinzen Bernhard, mit der Herzog Carl August den späteren preußischen
Soldaten und
Staatsbeamten beauftragt hatte. Rühle wollte sie nach den Grundsätzen
gestalten, die Goethe dem
Abbée in Wilhelm Meisters Lehrjahren in den Mund gelegt habe
(vgl. RA Bd. 5, S. 272). Später
dreht sich die Korrespondenz um Rühles Werke, insonderheit um
ein Buch über ägyptische
Geschichte.
Abbildung: Archiv der BBAW
Geb. 22.2.1779 in Berlin, gest. 25.10.1861 in Berlin
OM 4.4.1811 (Bestät. 29.4.1811)
Rechtswissenschaft, römisches Recht
Goethes Brief bezieht sich v.a. auf Niebuhrs Werk und dessen unerwarteten
Tod im Jahr 1831.
Geb. 27.1.1775 in Leoberg/Württ., gest. 20.8.1854 in Ragaz/Schweiz
AM 12.4.1832 (Bestät. 7.5.1832), OM 3.12.1842
Philosophie
Da Schelling erst 1841, also lange nach Goethes Tod, zum Professor der Philosophie an der Berliner Universität ernannt worden ist, vorher aber nicht in Berlin gewohnt hat, wurde seine Korrespondenz mit Goethe nicht in die Datenbank der (zumindest zeitweilig) in Berlin ansäßigen Korrespondenten aufgenommen.
Vgl. die Informationen zu Schelling im Abschnitt Goethe-Autographen
der BBAW.
Abbildung: Archiv der BBAW
Geb. 21.1.1768 in Breslau, gest. 12.2.1834 in Berlin
OM 29.3.1810 (Bestät. 7.4.1810)
Theologie, Philosophie
Goethes Brief ist eine Einladung zur Mitarbeit an der 1803 reorganisierten
Jenaischen Allgemeinen
Litteraturzeitung.
Geb. 3.8.1766 in Boldekow bei Anklam, gest. 15.3.1833 in Halle/Saale
KM 28.2.1822
Medizin, Botanik
Die Korrespondenz ist privat oder naturwissenschaftlich ausgerichtet
und betrifft neben gegenseitigen
Danksagungen und Empfehlungen v.a. botanische Spezialprobleme.
Geb. 26.10.1757 in Nassau, gest. 29.6.1831 in Kappenberg/Westf.
EM 10.5.1827 (Bestät. 18.6.1827)
Rechts- und Staatswissenschaften
Goethes Briefe sind privater und gesellschaftlicher, kaum aber wissenschaftlicher Natur.
Geb. 1.10.1770 in Schalkhausen bei Ansbach, gest. 14.5.1840 in Berlin
EM 28.3.1822
ohne Fachzuteilung
Die Briefe Goethes an den preußischen Politiker und Staatsbeamten
entspringen v.a. administrativen
Verpflichtungen (so die Erlaubnis zu 'Fernleihe' des Jenenser Codex
- vgl. den Eintrag zu Friedrich
Heinrich v. d. Hagen - und weiterer in Weimarischem Besitz befindlicher
historischer Manuskripte
nach Berlin). Daneben dienen sie privaten und informellen Mitteilungen
(persönlichen Dank,
Empfehlungen, etc.).
Geb. 3.1.1775 in Lemgo, gest. 2.10.1829 in Berlin
OM 23.3.1815 (Bestät. 3.5.1815)
Altertumswissenschaften
Der Pädagoge und Philologe Süvern wurde 1796 Mitglied des philologisch-pädagogischen Seminars in Berlin, 1800 Gymnasialdirektor in Thorn und 1804 in Elbing. 1807 avancierte er zum Professor in Königsberg und 1809 zum Staatsrat in der Unterrichtsabteilung des preußischen Innenministeriums, seit 1817 im Kultusministerium.
Süvern wendete sich schon im Jahr 1800 an Goethe, indem er ihm
seine Schrift Über Schillers
Wallenstein in Hichsicht auf griechische Tragödie mit einem kurzen
Begleitschreiben und der
Bitte um Goethes Urteil schickte (vgl. RA Bd. 3, S. 206). Der erst
23 Jahre später abgegangene
erste Brief Goethes reflektiert u.a. das Verhältnis von Autobiographie
und Historiographie. Der
zweite dankt für die gewährte Einsicht in einen Schillerbrief.
Geb. 23.8.1763 in Berlin, gest. 21.1.1835 in Berlin
AM 4.8.1808 (Bestät. 15.8.1808), OM 29.3.1810 (Bestät. 7.4.1810)
Archäologie
Goethes Brief ist eine private Anfrage.
Geb. 26.9.1764 in Berlin, gest. 18.12.1826 in Berlin
OM 16.1.1794
Anatomie
Goethe bedankt sich für die Übersendung von Walters Schrift
Die wiederhergestellte Malerkunst
der Alten (1820).
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Letzte Änderung: 17.08.2006
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